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Redaktion: Heinz Schmitz
Wenn IT-Architektur den Zugriff verhindert
Analyse von IT-Architekturen: Systemdesign entscheidet im Ausfall über Datenzugriff. (Quelle: RecoveryLab)
Moderne IT-Infrastrukturen gelten als stabil, leistungsfähig und hochverfügbar. In der täglichen Praxis der Datenretter von RecoveryLab zeigt sich jedoch zunehmend eine andere Realität: Je stärker Systeme integriert, automatisiert und abstrahiert sind, desto schwieriger wird der Zugriff auf Daten im Störungsfall. In zahlreichen Schadensanalysen beobachten die Experten, dass Daten nicht deshalb unzugänglich sind, weil sie nicht gesichert wurden, sondern weil die zugrunde liegende Systemarchitektur den Zugriff blockiert.
Wenn Komfort zur technischen Abhängigkeit wird
Zentrale Speichersysteme, softwaredefinierte Infrastrukturen und proprietäre Plattformen versprechen Effizienz und einfache Administration. Gleichzeitig bündeln sie Daten, Logik und Zugriff zunehmend in geschlossenen Systemen.
Fällt eine dieser Komponenten aus, ist der Zugriff auf geschäftskritische Daten häufig nicht mehr möglich – selbst dann, wenn Sicherungen vorhanden sind. Besonders in komplexen Server-, Storage- und RAID-Umgebungen zeigt sich im Ernstfall, wie stark Daten an Controller, Firmware und herstellerspezifische Logiken gebunden sind, die außerhalb des Originalsystems nicht ohne Weiteres interpretiert werden können. "Viele IT-Umgebungen funktionieren reibungslos – solange genau das System verfügbar ist, an das alles gekoppelt ist", so die technische Einschätzung von RecoveryLab. "Im Ausfall wird sichtbar, wie abhängig der Zugriff von einzelnen Architekturentscheidungen ist."
Black-Box-Systeme erschweren die Wiederherstellung
In der Laborpraxis stößt RecoveryLab zunehmend auf sogenannte Black-Box-Architekturen. Dabei handelt es sich um Speicher- und Systemlösungen, deren interne Datenstrukturen, Metadaten und Zugriffspfade ausschließlich durch das Originalsystem korrekt interpretiert werden können.
Typische technische Risikofaktoren sind unter anderem:
* proprietäre Speicher- und RAID-Layouts
* hardwaregebundene oder systemabhängige Verschlüsselung
* fehlende Transparenz über interne Metadatenstrukturen
* enge Kopplung von Storage, Virtualisierung und Zugriffsebene
Gerade NAS- und Appliance-Systeme mit herstellerspezifischer Speicherlogik bündeln Komfort und Abhängigkeit in einer Weise, die im Schadensfall eine Wiederherstellung erheblich erschweren kann.
Vendor Lock-in als Folge von Systemdesign
Was im laufenden Betrieb als Komfort wahrgenommen wird, entwickelt sich im Ausfall häufig zu einem technischen Lock-in. Ohne funktionierende Originalhardware oder kompatible Ersatzsysteme bleibt der Zugriff auf Daten blockiert – unabhängig davon, wie aktuell Sicherungen sind. "Der Lock-in entsteht nicht erst beim Anbieterwechsel", so RecoveryLab. "Er ist häufig bereits im Systemdesign angelegt. Daten, die nur in einer spezifischen Umgebung interpretierbar sind, stellen im Ernstfall ein erhebliches Risiko dar."
Zugriffsfähigkeit als architektonische Aufgabe
Mit der steigenden Komplexität moderner IT-Landschaften verändert sich auch die Risikobetrachtung. Entscheidend ist nicht allein, ob Daten gespeichert wurden, sondern ob sie unter realistischen Ausfallbedingungen tatsächlich wieder zugänglich gemacht werden können.
Die Fachleute empfehlen daher, IT-Architekturen regelmäßig darauf zu überprüfen,
* wie stark Daten an einzelne Systeme oder Plattformen gebunden sind,
* ob Wiederherstellungsprozesse außerhalb der Originalumgebung realistisch getestet wurden,
* und welche Abhängigkeiten bewusst akzeptiert oder ungewollt entstanden sind.
Fazit
Moderne IT ist leistungsfähig. Sie wird jedoch dann zur Herausforderung, wenn Zugriff, Logik und Daten untrennbar an ein einzelnes System gebunden sind. Wer Wiederherstellbarkeit realistisch bewerten will, muss IT-Architekturen nicht nur unter Betriebs-, sondern auch unter Ausfallbedingungen betrachten. Zugriffsfähigkeit entsteht nicht automatisch – sie ist das Ergebnis bewusster technischer Entscheidungen.
Siehe auch:
https://www.recoverylab-datenrettung.de/