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Redaktion: Heinz Schmitz
Datensouveränes KI-System zur Lernunterstützung von Studierenden
In den vergangenen elf Monaten ist ein Prototyp mit Namen LLM Prof. entstanden, der im laufenden Lehrbetrieb getestet wird. (Quelle: Artist Viora/Pixabay)
HAW Kiel entwickelt datensouveränes KI-System zur Lernunterstützung. „LLM- Prof.“ nutzt Open-Source-Technologie und arbeitet ausschließlich auf hochschuleigenen Servern – ohne Cloud-Abhängigkeit. Im Gegensatz zu kommerziellen Tools kennt es die eigenen Lehrinhalte und unterstützt Studierende bei der Erstellung präziser Fragen (Prompting). So wird Lernunterstützung kontextbezogen und sicher. Im Testbetrieb laufen bereits mehrere Lehrveranstaltungen. Das Projekt wird vom Land Schleswig-Holstein im Rahmen des Digitalisierungsprogramms 4.0 mit rund 200.000 Euro gefördert und soll nach 2026 ein skalierbares Modell für andere Hochschulen werden.
Die Herausforderung im Studium
Laut Umfragen nutzen rund 90 Prozent der Studierenden KI-Tools im Rahmen ihres Studiums. Mit deren Hilfe verlässliche und relevante Informationen zu finden, bleibt aber eine Herausforderung, da Studierende häufig noch die Fähigkeiten zum guten Fragen, also Prompten fehlen. Die Lehrenden auf der anderen Seite benötigen datenschutzkonforme KI-Werkzeuge, die sie für ihre Lehrveranstaltungen nutzen können. Informatikprofessor Florian Schatz von der HAW Kiel entwickelt im Rahmen des Digitalisierungsprogramms 4.0 des Landes eine Lösung ein datensouveränes KI-System zur individuellen Lernunterstützung von Studierenden. „Wir wollen erreichen, dass persönliche Daten geschützt sind, datenschutzkonform auf hochschuleigenen Servern verarbeitet werden und relevante Lösungen bieten“, erklärt Schatz sein Vorhaben.
Datensouveräne Alternative zu kommerziellen KI-Sprachmodellen
In den vergangenen elf Monaten ist an der HAW Kiel ein Prototyp mit Namen LLM Prof. entstanden, der im laufenden Lehrbetrieb getestet wird. LLM steht für Large Language Models, also große KI-Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude und Gemini. Der Prototyp baut auf verschiedenen Open-Weight- basierten LLM auf und ermögliche im Unterschied zu den gängigen KI- Sprachmodelle ein kontextbezogenes Lernen, erläutert Projektmitarbeiter Luke Kahms: „Stelle ich ‚LLM-Prof.‘ eine Frage, weiß das System, welchen Kurs ich belegt habe und kennt alle nötigen Details. Von ChatGPT erhalte ich irgendeine Definition aus dem Internet. Von LLM-Prof. lautet die Antwort: ‚In deiner Veranstaltung wird dies folgendermaßen definiert, das kannst du auch auf Seite 69 im Vorlesungsskript nachlesen.‘"
„LLM Prof.“ – mehr als nur ein Chatbot
Möglich macht dies ein leistungsstarker Server, der mit Unterstützung der IT-Abteilung im hochschuleigenen Rechenzentrum betrieben wird. Alle Belange des Datenschutzes klärte das Team mit der Datenschutzbeauftragten der Hochschule. Bislang sind zwei Lehrveranstaltungen von Projektleiter Schatz im Prototyp erfasst. Die Skripte und Vorlesungsfolien von Schatz Lehrveranstaltung „Webanwendungen und Gestaltung“ umfassen rund 700 Seiten. Für Thorben Springer und seine Kommilitonen eine Arbeitserleichterung: „Anders als bei ChatGPT, Gemini oder Claude muss man nicht erst eigene Dokumente hochladen, um der KI einen Kontext zu liefern“, sagt Springer. „Es wäre jedoch optimal, wenn LLM Prof. Zugriff auf die Inhalte aller Module hätte. Außerdem wäre es praktisch, wenn es einen zentralen Chat gäbe, der für alle Module gleichermaßen funktioniert. Ich hoffe, dass sich das Tool noch weiterentwickelt und in naher Zukunft noch mehr Studierende davon profitieren können.“
Studierende liefern Feedback
Das Feedback der Studierenden und die eigenen Erfahrungen fließen in den Prototypen ein. Die Datenbasis wächst, im Testbetrieb laufen aktuell vier weitere Veranstaltungen von Schatz Kolleg*innen des Fachbereichs Medien/Bauwesen. Bewährt sich das Tool weiterhin, möchte Schatz es Professor*innen anderer Fachbereiche zur Verfügung stellen. „Der Server“, so Schatz, „wird voraussichtlich für mehrere Tausend Studierende ausreichen – wobei dies natürlich stark von dem Nutzungsverhalten abhängt.“
„LLM Prof.“ verbindet Innovation, Datenschutz und Nachhaltigkeit
„Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist fester Bestandteil unserer Lebens- und Arbeitswelt geworden. KI-Technologien wie Large Language Models verbessern auch das Lernen und Lehren. Der bewusste Umgang mit KI muss daher an den Schulen und Hochschulen ein selbstverständlicher Standard werden“, sagt Digitalisierungsminister Dirk Schrödter. „Das KI- Projekt der HAW Kiel zeigt, wie das Digitalisierungsprogramm des Landes wirkt und konkrete Mehrwerte bietet. LLM Prof. verbindet eine effektive Lernunterstützung mit den hohen Anforderungen an den sicheren Betrieb des LLM-Modells, da es nur auf die eigenen zur Verfügung gestellten Lehrinhalte zugreift. Zugleich bietet LLM Prof. das Potenzial der Nachnutzbarkeit, sodass in einem nächsten Schritt auch weitere Hochschulen davon profitieren können.“
Zukunftsperspektive – skalierbar für alle Hochschulen
Langfristiges Ziel ist ein übertragbares, skalierbares Modell für eine kontextsensitive KI-Unterstützung der digitalen Hochschullehre zur Verfügung stehen, das jede Hochschule auf eigenen Servern mit Open Source Software betreiben kann. „LLM-Prof.“ ist an der F&E GmbH (ehemals FuE-Zentrum der FH Kiel GmbH) verankert.
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